Freitag, 13 Dezember 2019 19:42

Not me. Hommage an David Bowie | Altstadttheater | Von Falco Blome. Mit Maria Helgath.

von

348 David Bowie Foto Petra Kleine 5Ingolstadt | Was für ein Abend! Eine Reise in ein anderes Universum – eines aus Musik und Zeit. Das Universum David Bowie.

Alien, Chamäleon, Außenseiter, Pop-Ikone - David Bowie erfand sich ständig neu. Als Kunstfigur - Ziggy Stardust, Major Tom, Thin White Duke. Als Musiker, Schauspieler, Produzent … Fremdartig. Mystisch. Nicht von dieser Welt und doch einer der einfluss- und erfolgreichsten Musiker der letzten Jahrzehnte. Das Leben dieses Ausnahmekünstlers ist ständige Veränderung und Neuinszenierung bis hin zur völligen Dekonstruktion. "Manchmal fühle ich mich, als sei ich niemand". Not me.

Bowies Spiel mit seinen androgynen Facetten, die schillernde Palette seiner Kunst, sein Faible für Bühnenspiel, für Kostüme und Mode als eleganter Dandy, schriller Paradiesvogel oder Edel-Punk – immer mit Stil. Er sei, so Bowie über sich, ein Sammler von Persönlichkeiten. Ein Geschichtenerzähler.

Falco Blome ist der Erzähler von David Bowies Geschichte. Er lädt uns auf einen Trip durch das kreative Universum Bowie ein. Seinen Trip. Blome hat Bowie mehrmals live gesehen, war von dessen Bühnenpräsenz tief beeindruckt, hat sich immer wieder künstlerisch von ihm inspirieren lassen. Für Blome zugleich Herzensangelegenheit und Herausforderung das Universum Bowie auf die Bühne des Ingolstädter Altstadttheaters zu bringen. Blome setzt dabei auf Reduktion und erzählt das Leben und die kreative Entwicklung des Geschichtenerzählers Bowie – folgerichtig - vor allem mit dessen Songs. Sie sind neu arrangiert, nur für Klavier und Gitarre. Michael Gumpinger und Alex Czinke interpretieren mehr als 20 Bowie-Songs und müssen sich sowohl auf Pop-Hits einlassen als auch auf Jazz und völlige Dekonstruktion. Großartig. Sie machen hörbar, wie komplex und künstlerisch vielseitig Bowies Musik ist. Maria Helgath gibt Bowie ihre Stimme, wirft als erzählende Ich-Figur kurze biografische Schlaglichter zwischen die Songs ein und verbindet alles. Gibt Einblick in kreatives Denken und künstlerische Brüche. Helgath kommt aus der klassischen Musik, war als Schauspielerin auch am Stadttheater engagiert. Die Mezzosopranistin interpretiert mit großer Stimme und eigenem Stil die bekannten Hits wie „Space Oddity“ oder „Heroes“, jazzrockige Titel und späte, fast mystische Songs wie „Lazarus“. Eine Hommage, ein Requiem und irgendwie auch eine Beschwörung - immer wieder bringt uns Helgath mit ihrer Bühnenpräsenz und ihrer Stimme, an den Punkt, uns fühlen zu lassen, JETZT sei es soweit und Bowie kommt doch noch einmal selbst von hinten auf die Bühne …. Das geht unter die Haut. Und als sie zum Ende hin, wie aus dem Off singt, die Bühne sich leert und dann alles still wird und nur noch in uns nachklingt. Magisch. Gänsehaut. Langer Applaus.

Die Bühnenausstattung ist von Lichtkünstler Markus Jordan. Seine Leuchtobjekte sind wie aus dem Weltall, das ja auch Bowie, den „Mann der vom Himmel fiel“ (1976), immer wieder inspiriert hat, bis zuletzt, mit dem Album „Blackstar“. Jordan und Blome setzen mit dem bekannten Ziggy Stardust-Blitz eine biografische Markierung, und geben uns im Hintergrund mit dem „Blackstar“-Fries noch eine rätselhafte Botschaft mit auf den Weg. Reduziert. Prägnant.

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Der Abend, soll Lust machen auf das Universum Bowie, wünscht sich Regisseur Falco Blome. Und er macht Lust. Auf David Bowie. Und auf das Altstadttheater.

Mit Maria Helgath, Alex Czinke, Michael Gumpinger

Regie: Falco Blome

Ausstattung: Markus Jordan

Weitere Termine: 13.12., 19.12., 30.12., 09.01., 10.01., jeweils 20:30 Uhr | Silvester 18:00 & 21:00 Uhr

www.altstadttheater-ingolstadt.de

 

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