Donnerstag, 05 Juni 2014 08:47

Hausbesetzung Seniorenteller? Nein Danke! in der Brunnquell-Villa

von

seniorenteller 348Preview | Visionenwerkstatt 2: „Seniorenteller? Nein, danke!“ Eine einmalige szenische Installation von Donald Berkenhoff und Thomas Neumaier in der Brunnquell-Villa | Freitag, 6. Juni von 12 - 22 Uhr

Die Hausbesetzung der Brunnquell-Villa durch rüstige Rentnerinnen und Renter ist Theater. Mit einem Anliegen. Die Vertreibung älterer Menschen aus den Städten, der Verlust des eigenem Heimes und der Würde durch Altersarmut oder Demenz ist die Realität dazu. Mit der Radikalität und Erfahrung des Alters will man jetzt die Kommune-Ideen umsetzen, an denen man als 68er Generation letztlich gescheitert war - so denken und inszenieren Donald Berkenhoff und Thomas Neumaier, beide 68er bzw. heute Ü60er, diese Senioren-Installation.

 

 

Die Visionen-Werkstatt ist eingespielt in originale Rest-Hinterlassenschaften der ehemaligen Bewohner der Brunnquell-Villa. Gelebt und inszeniert wird zwischen Gebrauchsgegenständen, Schlafstätten, Erinnerungsfotos (ist das nicht Frau ... mit dem ...), zwischen Kunst, Erinnerungsfotos und Souvenirkitsch. Erträglich ist diese immer wieder durchscheinende Privatsphäre längst Verstorbener nur, weil man nie genau weiß, ist das Inszenierung, Theaterkulisse, was ist noch echt, was wurde dazugelegt, um zu irritieren oder anzuregen. Doch auch das ist ja auch Alter und Tod: die Möglichkeiten der Selbstbestimmung können abnehmen, bis zum Selbst-Vergessen und zur Aufgabe jeglicher Privatsphäre. Mit Sicherheit eine Gratwanderung für diejenigen, die die ehemaligen Bewohner noch kannten…

Die Kunst von Thomas Neumaier versachlicht und übersetzt diese intimen, teils beklemmenden Eindrücke. Er schafft zunächst etwas Distanz und Luft, denn er hat das Schwimmbad des Haues als seinen Kunstort gewählt. Er inszeniert den Verlust von Würde und den Abschied von der materiellen Welt - Windeln, Demenz, Rollstuhl. Der Hausbesitzer kann so eben auch zum Haus - und spielt auch noch einmal mit den alten Ideologien vom Marx, Lenin ...

Der Künstler Alfred Ullrich (hier ein BR-Portrait) hat seine Werke im runden Zimmer installiert, in einer sehr persönlichen Herangehensweise. Der gebürtige Wiener lebt und arbeitet in Dachau. Mit seinen Werken kämpft er gegen hartnäckige Vorurteile über Sinti und Roma an und versucht so auch seine eigene Familiengeschichte zu verarbeiten.

Und ganz zuletzt spielt auch schon die Zukunft mit hinein und bringt Realität und Pragmatismus mit: die Glasfenster der Zimmer-Türen wurden bereits verbrettert, das Geländer kindersicher erhöht, denn bald schon sollen hier erst einmal Flüchtlingsfamilien untergebracht werden. Eigentlich schön, dass das Stadttheater hierfür jetzt erstmal eimal neue und lebendige Energie ins alte Haus bringt, mit seiner Visionenwerkstatt und den radikalen Alten.

 

 

Freitag 6. Juni | Von 12 - 22 Uhr | Eintritt frei!
Um 12:00 Uhr lädt Doris Buchrucker in der Küche zu Prosa und Suppe.
Im Laufe des Tages werden dann drei Filme im Kaminzimmer gezeigt
Jochen Wietershofer u. BaSta: „Baden in Fragen“
Robert Besta: „Abgesang“
Julia Stiebert „Niemandsland“.
In der Bibliothek werden über den Tag neun Lesungen veranstaltet. So werden die Autoren Carmen Mayer, Michael von Benkel, Jens Rohrer, Marc Simoneit aus ihren eigenen Werken vorlesen. Des Weiteren lesen und spielen Stefan Viering, Doris Buchrucker sowie Karlheinz Habelt, Peter Greif, Rolf Germeroth aus dem Stadttheater Ensemble.
Um 18:30 Uhr gibt es dann von der Theatergruppe „Patina“ eine öffentliche Probe ihres neuen Stückes „Der Nächste bitte“ im Kaminzimmer zu sehen.
Danach Lesung von und mit Carmen Mayer und um 20:00 Uhr Gartenparty mit der Band „Dr. Eisele und die Besen.

 

 Ingolstädter Unternehmensgeschichte und premiertes Design

Wer sich für die Geschichte des Unternehmens Brunnquell interessiert und das Design der 60er und 70er Jahre, stößt auch hierzu noch verstreute Fundstücke wie Preislisten und Kataloge und Lampen, mit dem vielfach ausgezeichneten Design der Brunnquell-Leuchten. Auch das eine guter Grund, um am Freitag mal in der Visionenwerkstatt vorbeizuschauen - ein Stück Ingolstädter Industrie- und Designgeschichte liegt auch zwischen all dem Anderen - so eine prämierte Designer-Lampe, für die Walter Scheel der Designerin Traudl Brunnquell einen desigpris überreichte.

 

 

 

Mehr auf k10: Senioren-Installation in der Brunnquell-Villa

Bilder: © Petra Kleine

 

Gelesen 8303 mal

K10 auf Facebook