Dienstag, 10 Oktober 2017 15:20

Blauschafe | Integrative Kunstaktion von Rainer Bonk auf dem Rathausplatz

von

 

348 Blauschaf3Ingolstadt | Blauschafe. Venedig, Basel, Brüssel, Wien … und nun auch Ingolstadt. Sie sind sympathisch, attraktiv und waren als Friedensherde bereits in 160 Städten international unterwegs. An drei Tagen im September grasten sie nun leuchtend ultramarinblau vor dem Ingolstädter Rathaus. Und haben gewirkt. Mindestens Neugier, oft ein Lächeln haben sie von den Passanten bekommen und sie wurden fotografiert, als Selfie, mit dem Hund, dem Freund, dem Kind. Dem Herdentrieb konnten hartgesottene FC 04-Fans ebenso wenig widerstehen wie junge Pärchen. Selbst Oberbürgermeister Lösel musste es tun - einmal kurz streicheln - bevor er die Kunstaktion eröffnete. Ingrid Gumplinger und Barbara Deimel, städtische Beauftragte für Integration und Gleichstellung, hatten die Friedensherde nach Ingolstadt geholt. Dabei ging es natürlich nicht nur um Kunst im öffentlichen Raum, die Blauschafe brachten vor allem eine integrative Botschaft mit: Alle sind gleich – jeder ist wichtig.

Sein Ziel als Künstler sei es, so Blauschäfer Rainer Bonk, über optische Reize geistige Sachverhalte zu bewegen und so auf die Gesellschaft einzuwirken. Kunst im öffentlichen Raum sei dafür ideal, denn 90% aller Reize gingen über das Auge in unsere Wahrnehmung. Die Installation auf dem Rathausplatz schaffe ein Erlebnisumfeld für die Betrachter, mache sie zu einem Teil der Kunstaktion und binde sie so emotional. Der Bruch der Sehgewohnheiten steigere das Interesse. Die Blauschafe als sympathische Symbolträger in leuchtendem Ultramarin mitten in der Stadt hatten daher beste Chancen die Menschen zu erreichen.

Bei den Blauschafen sehe man erst auf den zweiten Blick, dass alle gleich sind, warb Rainer Bonk für seine Botschaft. Sie haben genau die gleiche Form, doch durch die Anordnung in unterschiedlichen Gruppen und andere Blickrichtung sieht man es nicht gleich. So, wie man auch bei den Menschen oft erst beim zweiten Hinschauen erkenne, was einander grundsätzlich verbinde: gleiche Grundbedürfnisse und ähnliche Empfindungen im tagtäglichen Leben. Erst danach würden die individuellen, kulturellen oder ethnischen Unterschiede bedeutsam, denen man aus dem Blickwinkel der grundsätzlichen Wertschätzung für den Anderen besser begegnen können, auch wenn er einem fremd sei. Und diesen zweiten Blick, das bedachte Hinsehen auf das Verbindende, brauche es für ein friedliches Miteinander. Das Blau als Farbe steht auch symbolisch für das Verbindende und ist die Farbe internationaler Organisationen wie der UNO oder der EU, die das Kunstprojekt auch unterstützt.

Oberbürgermeister Lösel nahm diese Idee gerne auf. Immerhin lebten 154 Nationalitäten in Ingolstadt zusammen. „Die Welt ist in Ingolstadt zuhause.“ Die Vielfalt der etwa 58.000 Menschen mit Migrationshintergrund habe die Stadt sozial und kulturell weit gebracht und auch wirtschaftlich überaus erfolgreich gemacht. „Wir arbeiten hier alle miteinander gut zusammen.“ Damit könne Ingolstadt ein positives Zeichen setzen als einer Stadt der Vielfalt und eines friedlichen Miteinanders.

Ob wirklich alle gleich oder gleich wichtig sind oder sein könnten, ob alle gleich sein wollen, darüber wurde viel gesprochen am Rande der Blauschafherde. Integration und Inklusion wurden durch diese Kunstaktion auf jeden Fall zum Gesprächsthema im Rahmen der „interkulturellen Wochen“ in Ingolstadt.

www.der-blauschaefer.de

Dieser Artikel ist auch in print erschienen, im Trendmagazin Citicon Nr. 74 | Unter Blauschafen. Alle gleich. Jeder wichtig.

 

 

 

Gelesen 3898 mal

K10 auf Facebook