Samstag, 02 Juli 2016 23:29

Ludwig Hauser übergibt Donauboot an Gemeinnützige | Kunst & Architektur

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GWG 348 uebergabe handIngolstadt | Kunst und Architektur | Wertschätzung kann ein Fest sein. Sie zeigt sich aber ebenso als handwerklicher Besenstrich-Putz, im Muster eines haushohen Spaliergitters, als  Donauboot aus Korallenriffschuttkalk. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Ingolstadt (GWG) hattte eingeladen zu einem Fertigstellungsfest, um all dies zu feiern.  Konkret ging es um die Übergabe des Kunstwerkes „Donauboot“ von Ludwig Hauser und die Fertigstellung der Wohnanlage Schwinge & Stadthäuser an den Donauauen.

Kunst am Bau ist … Wertschätzung

Es war GWG-Geschäftsführer Peter Karmann, der von der Wertschätzung sprach. Kunst am Bau umzusetzen sei nicht nur der eigene baukulturelle Anspruch, sie sei Ausdruck der Wertschätzung für die Bewohner, so Karmann. Die festliche Übergabe eines Kunstwerkes sei Ausdruck der Wertschätzung für die Arbeit des Künstlers, das Fertigstellungsfest eine Würdigung nicht zuletzt auch der Arbeit der Architektinnen und Architekten, der Förderung durch die Regierung, der guten Arbeit des ganzen Teams – im Großen und in den Details und vor allem gemeinsam.

Alle in einem Boot und an diesem Nachmittag dank Ludwig Hausers Donauboot auch wortwörtlich und in immer wieder neuer Zusammensetzung – Bauherr, Investoren, Baudirektoren, Architektinnen, Landschaftsplaner, Künstler, Stadtplaner - jeder wollte mal mit jedem im Donauboot sitzen.

Das Donauboot ist eine Geschichte

Und so wurde es eine fachlich dichte, kunstsinnige und gut gelaunte Übergabe des Kunstwerkes Donauboot. Wohnen an einem Platz sei immer etwas temporäres, vorübergehendes, so Hauser und verwies auf das Stein-Material des Bootes, das mehr als 25 Millionen Jahre alt sei. Es habe sich gewandelt vom Korallenriff der Urmeere zum Jurakalk in unserer Region, um schließlich als 4,5 Tonnen schweres Boot in der Wohnanlage an den Donauauen anzukommen. In all den Dimensionen von Millionen Jahren und Veränderung das eigene DA SEIN zu erkennen, ein Gefühl für Ort und Zeit zu haben, die man selbst gerade - vorübergehend - bewohnt.

Das Donauboot ist auch eine Erzählung. Von Überfahrt, vom Landen oder Stranden, vom Leben am Fluss. Etwas, zu dem jeder auch (s)eine eigene Geschichte erzählen kann, denken kann. So etwas verbindet - die Menschen mit dem Ort und als stille Erzählung auch untereinander.

„Herrliches Wohlfühlgefühl!“ | Bürgermeister Sepp Mißlbeck

Das Donauboot ist das dritte Kunstwerk Ludwig Hausers in diesem Stadtteil. Am Donaubadestrand, etwas flussaufwärts, schuf Hauser den Sitzstein für Marie-Luise Fleißer, aus fast weißem Carrara-Marmor.  An der Regensburgerstraße/Ecke Gerhart-Hauptmann-Straße markiert ein großer Lichtstein den Zugang ins Quartier, er entstand aus dem Kunstprojekt Lichtsteine 2006 zum 250. Ingolstädter Jubiläumsjahr.

Bürgermeister Sepp Mißlbeck brachte seine aufrichtige Freude über die neue Wohnanlage in seinem Grußwort zum Ausdruck: All das, was die GWG hier leiste, trage zu einem „herrlichen Wohlfühlgefühl“ bei. Er erinnerte daran, dass hier vor 80 Jahren die Gemeinnützige überhaupt die allerersten Sozialwohnungen gebaut habe. Inzwischen wohnten fast 10% der Bevölkerung in GWG-Wohnungen. "Die GWG ist überregional ein Gütezeichen für zeitgemäßes, urbanes Wohnen." so Mißlbeck. Ein Garant der hohen Qualität ist dabei sicher, dass die GWG als Bauträger regelmäßig Wettbewerbe ausschreibt und so die besten Ideen für die Stadt gewinnt.

Die GWG - Gütezeichen für zeitgemäßes, urbanes Wohnen

Die Gemeinnützige hat mit der Gestaltung der Wohnanlage und der Besonderheit eines Kunstwerkes mittendrin viel getan, um sich als Bewohner hier wohl zu fühlen. Ein Gang durch die Wohnanlage ließ überall erkennen, dass hier mit vielen Ideen und Know-How individuell gestaltet und Atmosphäre geschaffen wurde. Bei der Fassade sollte z.B. etwas Erfahrbares, Handwerkliches zum Ausdruck kommen und so entschied man sich für einen Besenstrich-Putz, eine traditionelle Technik um die Oberfläche zu strukturieren, die längst nicht mehr alle kennen. Die haushohen Spaliergitter sollten die Begrünung ermöglichen, die außenliegenden Zugänge zu den Wohnungen sichern und dabei nicht wie Gefängnisgitter wirken, kindersicher sein, nicht zum Klettern einladen. Ein ausgeklügeltes Muster hat all das geschafft und trägt im Sommer, bewachsen mit blühenden Pflanzen, zum fast südländischen Flair bei.

Stadthäuser als Erstlingswerk

Die beiden Architekten der Stadthäuser - Michael Ullrich und Therese Strohe - kommen aus Berlin. Sie haben den Wettbewerb gewonnen, den die GWG ausgeschrieben hatte. Für das junge Büro ist es die erste eigene Realisierung, sie haben sich mit dieser Wohnanlage als eigenes Architekturbüro begründet. Man blieb im Kostenrahmen und hat dennoch mit vielen einzelnen Ideen zum Gelingen dieser Wohnoase beigetragen. Zusammen mit Landschaftsarchitektin Judith Brücker (Berlin), die die Außenanlagen gestaltet hat, waren sie zum Fertigstellungsfest gekommen.

Die Schwinge

Architekt der Schwinge ist das Ingolstädter  Ali Schlamp. Der sanft, bogenförmig geschwungene Wohnblock läuft entlang der vielbefahrenen Regensburger Straße und bildet einen Schutz für den Innenhof und die drei Stadthäuser. Der Besuch in einer der Wohnungen beeindruckt: Der große Balkon öffnet sich mit herrlichem Ausblick in den Hof mit den drei Stadthäusern. Trotz Festgetümmel und geschätzten 60 Kindern ist es nicht lärmig, angenehm belebt, fast ruhig. Der Blick kann schweifen, bis hinter die hohen Baumwipfel. Raum zum Atmen. Auch hier waren es viele Detaillösungen, die das Wohnen, das Orientieren, den Aufenthalt erfreulich machen. Farben, Stauräume, kleine und große Annehmlichkeiten und alles barrierefrei, 8 der 35 Wohnungen sind rollstuhlgerecht.

Kindheit an der Donau | "So wie früher."

Eine Besonderheit der Wohnanlage ist der hohe Anteil an großen Wohnungen. Statt der üblichen zehn sind hier 40% der 72 Wohneinheiten für große Familien mit vielen Kindern gedacht. Gleich neben der Wohnanlage ein großer, locker möblierter Spielplatz und vor allem die Donauauen, die sich bis weit hinter den Badestrand ziehen, der etwas flussaufwärts angelegt ist. Die ehemalige Erschließungsstraße war zurückgebaut worden und so droht keine Gefahr durch Verkehr vor der Haustür. Für die Kinder geradezu paradiesisch. So wie er früher aufgewachsen war, meinte Bürgermeister Mißlbeck, der als Kind immer mit den anderen in der „Schidl“ unterwegs war, den waldigen Schütten in den Donauauen. Hier, an der Gerhart-Hauptmann-Straße sei auch so ein Paradies für Kinder entstanden. So wie früher. Ingolstadt ist hier wieder eine Kindheit an der Donau. Petra Kleine

 

Der Bildhauer und Konzeptkünstler Ludwig Hauser übergibt das "Donauboot" an den Geschäftsführer der GWG, Peter Karmann.  Die Gemeinnützige hat sich, neben dem sozialen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekt auch der Baukultur besonders verschrieben. 28 Kunstprojekte hat sie in ihren Wohnanlagen umgesetzt. Sie gewinnt damit nicht nur Atmosphäre für ihre Bewohner, sondern stützt gezielt die Kunstschaffenden und die Kulturwirtschaft, die wiederum prägende Orte schaffen und Identität stiften. Mehr zu  Kunst am Bau bei der GWG - hier lesen.

 

Alle Bilder: K10 (c)Petra Kleine

 

 

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