Sonntag, 09 November 2014 17:51

Kunst der Faltung | Einknicken oder Kante zeigen | Die Eröffnung

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faltung 348„Auch ich habe heute schon etwas gefaltet.“ brachte Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel die Dinge gleich mal auf den Punkt und hielt sein Redemanuskript hoch, das passend für die Sakkotasche gefaltet worden war. Inhaltlich lag er damit genau richtig und man kann von einem gelungenen Debut sprechen, denn vor übervollem Haus eröffnete er erstmals als Oberbürgermeister im MKK und hieß 44 internationale Künstlerinnen und Künstler und um die 1000 Gäste willkommen. Dichtes Gedränge also im Museum für Konkrete Kunst. Und ja, es sei wichtig dieses große Interesse mit einem größeren Haus für das Museum zu beantworten, versicherte der Oberbürgermeister dann auch gleich und bestätigte noch einmal dass der Neubau auf dem Gießereigelände kommen werde.

 

 

 

Einknicken oder Kante zeigen

Museumsleiterin Dr. Simone Schimpf und Kuratorin Amely Deiss führten gut gelaunt, kenntnisreich und eloquent in die „Kunst der Faltung“ ein. Die Kleiderfalte im Bild und an der Skulptur, der Unterschied der Falte zum Knick, der kaum zu definieren ist, und auch das eindeutig Andere: das Knüllen. Bilden Falten einen Raum, nur weil sie dreidimensional sind, wo ist dabei das Innen und Außen. Systematische Betrachtungen der Knitterfalten in der Kleidung, Origami und mathematisch bestimmte Faltungen aus Stahl… Von Hermann Glöckner, dem ersten zeitgenössischen Künstler der die Faltung als Thema der konkreten, konstruktiven Kunst begriff, ging der Blick in den Skulpturengarten des MKK, mit der „Faltung“ von Ben Muthofer. Und es ging um die Falt(ung)en des Alltags, die technischen, praktischen und die unerwünschten. 

Die große Wand des Museums bespielte diesmal die Künstlerin Katja Strunz. Sie erinnerte mit ihrer Ästhetik an die Anfänge des Konstruktivismus und bringt gedanklich die installierten, großen Metallobjekte anspielungsreich und vielfältig in Bewegung. Es geht um knicken, stürzen, fallen, um Materialien und ihr Altern, um Zeit und Raum und Ästhetik.

Die vielen Aspekte einer Faltung wurden zuletzt über das Falten eines Briefumschlages noch einmal versinnbildlicht, ein Vorgang der in der Ausstellung als Video geradezu zelebriert wird. „Wenn sie das nächste Mal einen Briefumschlag sehen, denken sie an unser Museum.“ verknüpfte Amely Deiss den Alltagsgegenstand - in unseren Köpfen nun wohl für immer - mit dieser spannenden und überaus gelungenen Ausstellung im MKK.

„Die Kunst der Faltung“ wurde zusammen mit der Stiftung für konkrete Kunst und Design umgesetzt, die von der AUDI AG Ingolstadt maßgeblich unterstützt wird. Inge Wolf-Froer (Kommunikation Kultur der AUDI AG) brachte mit ihrem Grußwort auch die technische Variante einer Falte mit: ein Cabrio-Dach. Die wesentliche Herausforderung für die AUDI-Ingenieure ist hierbei, das Cabrio-Dach optimal zusammenzufalten, ohne dass Knicke entstehen. Knicke sind hier, anders als in der Auseinandersetzung über die Kunst, ganz eindeutig definiert: sie bedeuten schlichtweg Materialverschleiß.

 

 

Im umfangreichen Begleitprogramm zeigt das MKK wieder einmal seine große Freude an der Vernetzung. Das Medizinhistorische Museum, das Café Mohrenkopf, eine Modefachschule, das Architekturbüro OFICINAA sind ebenso dabei wie das Lechnermuseum oder die VHS, wenn die Vielfalt der Falte betrachtet wird. So wird der Style Director des ZEITmagazin wird über den Plisseerock vortragen und als Nachtfalter sollte man eine Taschenlampe zur Führung mitbringen.

Letzte Ausstellung für Kuratorin Amely Deiss

Amely Deiss eröffnete an diesem Abend ihre letzte Ausstellung in Ingolstadt. Die Kuratorin wird künftig Kunstpalais Erlangen leiten.

Das Bedauern darüber war am Abend immer wieder Thema und kam von vielen Seiten – aufrichtig und zurecht. Deiss hatte großartige Qualität im Museum umgesetzt. Die erste Ausstellung, die sie 2013 unter der neuen Leitung von Simone Schimpf kuratierte war "S(ch)ichtwechsel. Neue Blicke auf die Sammlung“. Sie präsentierte die Werke der Konkreten als Petersburger Hängung an der großen Museumswand und machte damit Furore. Weiblich, jung, konkret titelte der Donaukurier hoch begeistert. Deiss hat, beschrieb es Kulturredakteurin Karin Derstroff, die Alten Meister gründlich entstaubt, durch neue Zusammenhänge. Mit Amely Deiss als Kuratorin und mit Simona Schimpf als neuer Leiterin hatte das Museum neue Anziehungskraft entwickelt, kunstgeschichtlich, intellektuell und sinnlich etwas geboten. Deiss hatte immer wieder neuen Zusammenhänge hergestellt, Wissen, Kunst, Museum vielfältig vernetzt und der konkreten Kunst in Ingolstadt neue Energie gegeben. Herzlichen Glückwunsch zur Ernennung als Museumsleiterin des Erlangener Kunstpalais und alles Gute!

Begleitprogramm auf www.mkk-ingolstadt.de

Im umfangreichen Begleitprogramm zeigt das MKK wieder einmal seine große Freude an der Vernetzung. Das Medizinhistorische Museum, das Café Mohrenkopf, eine Modefachschule, das Architekturbüro OFICINAA sind ebenso dabei wie das Lechnermuseum oder die VHS, wenn die Vielfalt der Falte betrachtet wird. So wird der Style Director des ZEITmagazin wird über den Plisseerock vortragen und als Nachtfalter sollte man eine Taschenlampe zur Führung mitbringen.

 

 

 

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