Sonntag, 22 Juni 2014 14:58

Kunstbus 2014 | Martin Pfeifle & INVG & Museum Konkrete Kunst

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Kunstbus 2014 | Martin Pfeifle & INVG & Museum Konkrete Kunst © k10

invg 348Es gibt wieder einen Kunstbus! 

Viele Jahre waren sie Eyecatcher auf Ingolstadts Straßen, die Kunstbusse der INVG. Es war eine Idee des damaligen Museumsleiters Peter Volkwein gewesen, Künstler des MKK Museums für Konkrete Kunst wie Morandini, Linschinger, und Glattfelder die Stadtbusse der Ingolstädter Verkehrsgesellschaft INVG gestalten zu lassen. Etwa 2007 verschwand der letzte dann altersbedingt aus dem Verkehr bzw. entsprach den Anforderungen nicht mehr und wurde verkauft. Die neue Museumsdirektorin Dr. Simone Schimpf war im März 2013 noch nicht ganz im Amt, schon gab es ein erstes Treffen mit ihr, INVG-Geschäftsführer Hans-Jürgen-Binner und Stadträtin Petra Kleine (Freundeskreis Konkrete Kunst) die die Idee wieder aufgegriffen hatte.

Martin Pfeifle sollte nun der erste Künstler sein, so der Vorschlag von Simone Schimpf, um die Kunstbus-Idee zu neuem Leben zu erwecken. Der Bildhauer, geb. 1975 in Stuttgart, hat in Düsseldorf bei Tony Cragg und als Meisterschüler bei Hubert Kiecol studiert. Im November 2013 war er im MKK mit der Installation SAMSA zu sehen. Hierfür strukturierte und formte er mit türkisfarbenen Folienstreifen einen großen Raum im Museum (hier mehr zu Martin Pfeifle).

Pfeifle blieb auch für die Gestaltung des Stadtbusses bei den Folienstreifen. Er ließ sich vom Logo der INVG inspirieren, das wie geschaffen schien für seine künstlerische Interpretation von einem Linienbus. Partner bei der Umsetzung des künstlerischen Konzeptes war die Ingolstädter Medienagentur lithoscript. Die besondere Herausforderung für diese war, statt Bildvorlagen einige Seiten mit Zahlencodes zu bekommen, einer von Pfeifle konzipierte Reihenfolge von Folienstreifen in 40 Farben, von denen einige Hundert einzeln auf den Bus aufgebracht werden mussten. Gut eine Woche waren Christian Langen und Sebastian Filser von lithoscript damit beschäftigt, Streifen für Streifen auf die Karosserie zu montieren und vor allem die Details zu gestalten – Lüftungsklappen, Rundungen, Kanten, Blinklichter … Da der Bus fahrplanmäßig morgens im Einsatz war, wurden jeden Tag die durchnummerierten Folienstreifen im Bus aufgehängt, sortiert, abends abgenommen und am nächsten Tag wieder aufgehängt.

 

 

Bei einem Ortstermin mit dem Künstler Martin Pfeifle, INVG-Geschäftsführer Hansjürgen Binner, mit Direktorin Simone Schimpf und Amelie Deis vom MKK, dem lithoscript-Team, Stadtbus-Mitarbeiterinnen sowie dem Leiter der Wartungshalle Lorenz Liepold wurde an dem ein oder anderen Detail noch nachgedacht und nachgearbeitet. So sollte die Bodenschutzleiste nicht weiß sein, sondern schwarz, die Front wurde schließlich doch ganz von dem Folienstreifen-Konzept bedeckt. Die ganze Kunst lag schließlich auch im Detail, denn der Bus musste körperlich wirken, wie eine gestaltete Skulptur.

Stadtbus-Mitarbeiterinnen hatten den Bus ünbrigens sofort "gescannt" und festgestellt: es gibt kein Muster, keine Reihenfolge kommt zweimal vor. So funktioniert die konkrete Kunst eben auch - sie spielt mit unserer Wahrnehmungsweise, bei der wir immer erst einmal nach Mustern suchen, wenn wir etwas Komplexes sehen.

Martin Pfeifle war zuletzt rundum begeistert. Von der unkomplizierten Kommunikation mit dem lithoscript-Team, denn der Künstler hatte von Istanbul aus die Idee entwickelt und die Umsetzungsmöglichkeiten (Farben, Materialien etc) mit lithoscript per E-Mail abstimmen müssen - und es lief perfekt, meinte er, "so einfach wie noch nie". Begeistert war er vor allem von der INVG GmbH und ihrer Offenheit für seine Ideen und seine künstlerischen Arbeitsweise, die bis zuletzt Überlegungen und Abstimmungen erforderte, um die Skulptur Linienbus perfekt zu gestalten. Und so wirbt der Pfeifle-Bus jetzt im täglichen Straßenverkehr bis weit in die Region hinein – für die Kunst, die INVG, das Museum, für Ingolstadt und für ein erfolgreiches Zusammenspiel von Kunst und Wirtschaft.

 

 

 

Mehr dazu lesen ...
Artikel zu den Kunstbussen von Morandini, Linschinger und Glattfelder
Bilder von Martin Pfeifle und der Raum-Installation SAMSA im Museum MKK

 

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