Dienstag, 10 September 2013 19:42

Werkschau Ludwig Hauser | Bildende Kunst

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Ludwig Hauser wird am 12. September 2013 den Ingolstädter Kunstpreis 2012 erhalten. Am Freitag eröffnete er seine Werkschau „Hauser stellt sich vor. Kleine Brötchen backen, Meister“.  Einen ganzen Tag und eine Nacht - 24 Stunden - stellte er im Ausstellungsraum auch sich selbst aus und vor, lud zu Gesprächen und Fragen zur Kunst ein. Zu sehen war keine Retrospektive seiner künstlerischen Arbeit, eher exemplarische Verweise auf seine Denk- und Arbeitsweise. Im Zentrum des Galerieraumes und der Ausstellung standen Stühle - als Alltagsgegenstände und zum Sitzen für die Ausstellungsbesucher, für Betrachtungen über gute Form und global präsente, immer gleich aussehende Massenware. Alle aus dem Besitz des Künstlers, aus Kunstprojekten, Erbstücke, Erinnerungsstücke aus Ingolstädter Kinos ... Solche sozialen Plastiken, das Überblenden von verschiedenen Bezugsebenen, die sich aus Geschichte, Alltag, Material, Form, einem Ort heraus entwickeln, das Entdecken oder Erfragen von solchen Zusammenhängen waren immer schon die spannendsten Momente der Kunst Hausers.

Dr. Simone Schimpf,  die Direktorin des Museums für Konkrete Kunst, würdigte das Werk Ludwig Hausers und wieder kam es zu überraschenden Antworten auf Fragen, die man sich tatsächlich längst gestellt hatte. Hier die Rede im Wortlaut, herzlichen Dank an Simone Schimpf dafür, dass wir sie hier noch einmal lesen können.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
lieber Ludwig Hauser,

wer in den letzten Wochen aufmerksam durch die Stadt gefahren ist, konnte nicht nur unterhaltsame Wahlplakate studieren, nein, der ein oder andere nahm vielleicht auch ein etwas rätselhaftes Plakat wahr. In strengem Schwarzweiß stand da in Großbuchstaben, etwas schief und verwinkelt „Kunstpreis“. Darunter mühte sich ein Strichmännchen an der schweren Last ab und trug die Buchstabenkette auf seinen Schultern. Auf der Rückseite des Plakats (für den Autofahrer zugegebener Maßen etwas schwieriger zu erkennen) stand „Träger“.  Zusammengesetzt also „Kunstpreisträger“. Nichts weiter, keine Information, wer diese Last bzw. Ehre aufgebürdet bekommen hat, nicht wann, wie, wo. Diese Mischung aus Understatement, Selbstironie und auch einer gewissen Distanz zum Kunstbetrieb und zur Kunst passt sehr gut zu Ludwig Hauser und findet sich immer wieder in seinem Werk.

Schaut man weiter auf die Einladungskarte, dann findet man dort mehr Informationen aber eben ähnlich lakonische Anspielungen. „Hauser stellt sich vor“ ist der Titel und daneben ist ein Werktitel abgedruckt, der wieder den gleichen Ton wie das Plakat anschlägt „Kleine Brötchen backen, Meister“. Die Abbildung ist verfremdet und ich bin mir nicht sicher, ob Sie erkannt haben, dass es sich dabei um das Backbrett handelt, das draußen im Eingangsbereich hängt. Hauser hat vor langer Zeit eine große Anzahl an Backbrettern gefunden, die von einer Bäckerei entsorgt wurden. Solche Backbretter sind mit Leinwand bezogene Schuber, auf denen die Brotlaibe und die Brötchen in den Ofen geschoben werden.  Das Tuch trägt nach den vielen Benutzungen deutliche Spuren der Backware. In einer Negativaufnahme ist ein solches Backbrett – verfremdet und geradezu abstrakt – auf der Einladungskarte abgebildet. Verfremdet hat er auch die Fotografien, die im oberen Teil des Raums hängen. Sie zeigen die wichtigsten Arbeiten von Ludwig Hauser hier in der Stadt. Hauser stammt ursprünglich aus Rosenheim und lebt seit 1989 in Ingolstadt. Der gelernte Steinmetz hat viele Arbeiten im öffentlichen Raum geschaffen. Sicherlich erkennt jeder einige Arbeiten auf den Fotografien. Da ist beispielsweise der Fleißerstein aus dem letzten Jahr, der am nördlichen Donauufer liegt. Oder der Schuttersteg, der die Stelle markiert, an dem die Schutter in die Donau fließt. Sicherlich auch vielen bekannt sind die Granit-Quader im Klenze-Park oder die Stein-Boote am Wasserwirtschaftsamt. Hauser befasst sich immer intensiv mit den Orten und den vorgefundenen Spuren, die er dann in seine Skulpturen integriert, er reagiert auf die Geschichte und versucht sie aus seiner Perspektive herauszuarbeiten.  Seiner Wahlheimat ist er dabei besonders verbunden.

Immer wieder brachte sich Hauser in das städtische Kulturleben ein, als er etwa  1991 die Ausstellung „Alles ist erreicht – Zur Geschichte der Arbeiterbewegung“ auf dem Gießereigelände organisierte oder ein Symposium zur Sepulkralskulptur veranstaltete. All das gehört zu seinem künstlerischen Selbstverständnis dazu. So ist auch die Ausstellung „Hauser stellt sich vor“ keine klassische Retrospektive, sondern der Künstler legt Spuren, verweist auf größere Zusammenhänge. Der Stuhl durchzieht seine Arbeiten immer wieder und so entwickelte er die Idee, die Stühle zu den Hauptexponaten zu machen. Als er mir das erste Mal von diesem Konzept berichtete, konnte ich es mir nicht so richtig vorstellen – lauter Stühle? Nun zeigt sich jedoch, dass diese Stühle eine große Vielfalt bieten. Es sind Stühle, die er direkt aus dem Atelier oder aus dem Wohnzimmer mitgebracht hat. Stühle mit denen er lebt und arbeitet. Dann gibt es diese Metallstühle, die er für die Bundesgartenschau in Rosenheim geschaffen hat. Fundstücke wie die alten Kinositze, die wiederum ein Stück Ingolstädter Stadtgeschichte repräsentieren oder aber die weißen Gartenstühle, die einmal Teil eines größeren Kunstprojekts waren und deren Reste er nun hier zu einer neuen Skulptur zusammengefügt hat.

Hauser stellt sich vor. Dreht man die Karte um, gibt es wieder eine typische Hauser-Wendung. Dort steht nämlich Hauser stellt sich aus und Hauser stellt sich an. Tatsächlich macht er ernst und stellt sich 24h dem Gespräch. Wer mag, der kann ihn bis morgen Abend um 19.00 Uhr zu allen erdenklichen Themen befragen und wird dabei gefilmt. Dieser Film wird dann wiederum Teil der Ausstellung werden. Wir beginnen so gegen 20.00 Uhr mit einem Künstlergespräch und laden dann herzlich zur Fortsetzung ein. Ich freue mich sehr, dass Ludwig Hauser nächste Woche den städtischen Kunstpreis verliehen bekommt und mit dieser Ausstellung ausreichend Grund für diese Würdigung liefert. Nun darf ich Ihnen allen einen schönen Abend wünschen und Sie zum gemeinsamen Gespräch einladen!

Beim anschließenden Künstlergespräch ging es dann zunächst um Fragen zur Kunst. Haben wir zuviel Kunst? Zuwenig Kunst? Zuwenig Qualtät? Wer entscheidet darüber?  

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Es ging um die soziale Plastik, um Kunst im Alltag und öffentlichen Raum, um das Stadttheater als Polygon, um die Gestaltung des Schimmelplatz an der Münchner Straße oder die Aufhübschung von Verkehrskreiseln durch Kunstwerke. Bis in den frühen Morgen und durch den ganzen nächsten Tag gab es immer wieder Besuch, Wein, Wasser, Kaffee, Gespräche, Spaß. Wenig Schlaf für Elisabeth Reyna Alvarez von der Medienwerkstatt, die die 24-Stunden-Filmdokumentation erstellte. Wenig Schlaf auch für "den Hauser" - ihn hat's gefreut!

 

Bilder aus 24 Stunden "Hauser stellt sich     aus"

 

 

 

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