Sonntag, 25 November 2012 22:58

Marc Köschinger | Künstlerportrait | Bayr. Fernsehen am 29. Nov.

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Marc Köschinger hat sich bewusst für die Kunst entschieden und seine Kunst ist alles, sagt er, nur nicht gefällig. Er hat ein ausdrückliches inneres Anliegen, das er künstlerisch reflektiert, öffentlich macht und er will zwingen hinzusehen. Das klingt zunächst sehr nach Sendungsbewusstsein. Doch Köschinger spricht vorsichtig und sanft und sobald man ihn und seine Kunst einmal kennengelernt hat, kann man sich dem nicht mehr entziehen. Man will mehr wissen, sehen, erfahren, seinen Gedanken folgen.

Marc Köschinger hat auf einen Kaffee im K10-Büro vorbeigeschaut, um uns kennenzulernen. Neugier ist eine seiner wunderbaren Eigenschaften.

Donnerstag, 29. November live im Bayerischen Fernsehen

Wir stellen ihn hier kurz vor und machen vor allem auf das Künstlerportrait des Bayerischen Fernsehens aufmerksam, das am Donnerstag, 29. November gesendet wird. Ab 16.30 Uhr in Bayern-alpha in der Reihe on3-südwild, im Bayerischen Fernsehen nachts um 1.15 Uhr, in Eins Plus um 22.45 Uhr. Er ist auch Live-Gast in der Sendung.

aufnahmen-im-atelier610x179Fernsehteam des BR im Atelier von Köschinger, Silikonarbeiten am Modell für "Wounds"

Köschinger ist ausgebildeter Fotograf und Grafik-Designer, war bei Lifestyle-Magazinen tätig, Leiter Grafik/Design im Unternehmen der pro7sat.1 media AG– und vieles andere mehr, was man durchaus als gute Kreativ-Karriere bezeichnen würde. Er hat dieses Arbeiten bewusst selbst beendet und ist seither freischaffender Künstler.


Marc Köschinger lebt in Ingolstadt und hat verschiedene Lehraufträge für Fotografie, Grafik und Mediendesign an Hochschulen und Fachakademien, u.a. an der Uni Eichstätt/Ingolstadt, und übernimmt er auch weiterhin Grafik-Aufträge. All diese Tätigkeiten macht er gerne, doch nur, um sich die künstlerische Freiheit zu bewahren. Er hat so z.B. den Katalog der Künstlerin Babette Überschär fotografiert und gestaltet (2012). Mit seinem eigenen Werkkatalog war er für den "Neuen Buchpreis 2012" nominiert und in der Endauswahl.

Wenn Kunst nicht nach dem Markt geht, dann Köschingers Kunst in ganz besonderer Weise nicht. Künstler wie er suchen den inhaltlichen oder räumlichen Kontext und weniger die private Vitrine. Künstler wie er sind wichtig, denn sie machen uns mit ihren Werken als Menschen wieder vollständiger, wenn wir hinsehen und uns aufmerksam machen lassen. Schattenthemen, verschüttetes Wissen und die "größte narzistische Kränkung" des Sterbens gehören zu uns, doch sie bleiben privat, werden öffentlich eher ausgeblendet. Wir sind eigentlich vielschichtiger, als wir zeigen - so wie die Kunst von Marc Köschinger.

Köschinger will "zwingen das anzusehen, was wir sonst unter den Tisch fallen lassen". Er will, dass wir hinsehen, wenn es um Verschüttetes, Intimes, Unbewusstes, Schmerz, Melancholie geht. Dazu verführt er uns geradezu mit einer sehr feinen Ästhetik. Er arbeitet eher zurückhaltend, nicht bunt, nur in Schwarz-Weiß oder den Naturtönen seiner Materialien. Man sieht und spürt, dass er den Substanzen aus denen er formt oder dem was er thematisch bearbeitet, sehr zugewandt ist und beides bis ins Feinstoffliche erforscht hat. Seine künstlerischen Bereiche sind sehr offen. Digitale Medien oder Fotografie sind ihm ebenso geläufig wie Holztechniken der Renaissance oder Silikon.

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               Caravaggios "Ungläubiger Thomas" Detail                                   Ausstellung "Wounds" -Plakat

Es sind auch Geschichten, wie die vom ungläubigen Thomas, Scheinheiligkeiten oder clerikale Widersprüche die ihn reizen und die er mal hintersinnig, mal sehr konfrontativ aufzeigt. Es wundert daher nicht, dass bei der Ausstellungseröffnung von „Wounds“ im katholischen Eichstätt die Galerie übervoll war und die Menschen bis auf die Straße standen. Seine Kunst wirkt, mehr als manchmal lieb ist, bis zum Unwohlsein oder zur Ablehnung. Das ist dann, bei aller Feinsinnigkeit, die gesuchte Provokation, der Zwang zum Hinsehen.

Köschinger erreicht die Menschen, beunruhigt und will genau das. Dabei ist er dennoch vorsichtig. Seine Idee zur Arbeit an der Jesus-Wunde hat er in einer kirchengeschichtlichen Ausstellung bekommen, von einer Skulptur, die sogar die Gedärme gezeigt hätte. Auch Caravaggio spielt ja mit dem neugierigen Finger in der Wunde. Diese Bezüge sind ihm wichtig, denn er will religiöse Gefühle nicht verletzen.

Sein Schmetterlingshaus in Eichstätt und seine Ausstellung Wunderkammer haben ihm überregional Aufmerksamkeit gebracht. Als er im November 2011 im Neuen Pfaffenhofener Kunstverein seine Wunderkammer ausstellte, berichtete das Kulturmagazin Capriccio darüber. Aktuell hat das Bayerische Fernsehen ein Künstlerportrait von ihm gedreht.

schmetterlingshaus280Marc Köschinger zeigt in seiner aktuellen Ausstellung „Wounds“ Fotografien und Objekten. Dr. Andreas Hochholzer hat in seiner Eröffnungsrede den Künstler so gut beschrieben, dass Köschinger davon nicht nur sehr beeindruckt war, sondern sein eigenes Tun noch einmal anders und besser verstanden hat, sagt er im K10-Gespräch. Ein Provokateur, der sich aufrichtig freut, wenn er verstanden wird.

Die Ausstellung „Wounds“ noch zum 5. Dezember in der Galerie Bildfläche in Eichstätt

Aus der Eröffnungsrede: „Er zeigt Wunden und ja, er lässt uns verweilen bei ihrem Anblick. Er macht dies auf eine besonnene - ich möchte behaupten – betrachtenden Art und Weise. Seine Arbeiten haben bei genauem Hinsehen wenig Schockierendes, eine sensationsheischende Attitüde ist ihm fremd. Dennoch provoziert er - er setzt hier eine Irritation, dort einen Widerhaken. (…) Dieser erste Eindruck – des Unwohlseins - ist nicht unberechtigt. Bei aller ästhetischen Inszenierung des Gezeigten, eine Behaglichkeit will sich nicht einstellen, ein interesseloses Wohlgefallen ebensowenig. Marc Köschinger ist eine Art Zoologe, der seine beobachteten Lebewesen liebt, der deren Augen, in Angst, im Schmerz auch in der Zerstörung, irgendwie festzuhalten versucht. (…) wir dichten ihm nichts Falsches an, wenn wir bei ihm ein gesteigertes Interesse an der Gesamtheit aller Lebensprozesse vermuten. Die Gesamtheit ist das Entstehen und Vergehen, die lebendige Fülle und die von einem verzweifelten Bewusstsein begleitete Auslöschung alles Lebendigen. Was Marc Köschinger als Künstler, Arrangeur, Fotograph, Skulpteur ausmacht, ist die Unsentimentalität und Unerschrockenheit mit der diesen Werden und Vergehen an Dingen und im Lebenden beobachtet und den Schmerz nicht verschweigt.“ Dr. Andreas Hochholzer, Okt. 2012.

Die Galerie Bildfläche ist geöffnet mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 13 Uhr.
Den gesamten sehr lesenswerten Text, der den Bogen von der ersten blutigen Verletzung der Kindheit bis zu Beuys spannt, hier: Anmerkungen zu Marc Köschingers „WOUNDS“ von Andreas Hochholzer.

 

kopfRadiointerview im Kulturkanal
hier

Marc Köschinger
www.koeschinger.de

Website des Schmetterlingsprojektes
www.butterfliesworldwide.de

Galerie Bildfläche in Eichstätt
www.bildfläche.com

Zum Werk-Katalog Marc Köschinger
hier

Alle Fotos: Marc Köschinger

 

 

 

  

Am 29. November hat  on3-südwild Marc Köschinger live interviewt und ein Künstlerportrait über ihn gesendet.
Die Dreharbeiten des BR dazu haben im Oktober 2012 stattgefunden. Dabei hat Köschinger gezeigt, wie sein Jesus-Torso entstanden ist.

 

 

 

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