Freitag, 14 Juni 2013 13:53

Gute Aussichten für den Pavillon im Freibad | Architektur

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Ein eindrucksvolles Plädoyer für den Erhalt des Pavillons im Freibad kam heute aus dem Gestaltungsbeirat, der unter Vorsitz von Prof. Ludwig Wappner im Ingolstädter Rathaus tagte. Vormittags gab es eine Ortsbesichtigung in Freibad, die die Mitglieder des Gestaltungsbeirates offensichtlich beeindruckt hat. Der Pavillon sei ein wunderbares Bauwerk, das die Grandezza des Freibades hervorhebe, er sei markanter Bezugspunkt dieser großzügigen, schönen Badeanlage.

 

Alle Mitglieder des Gestaltungsbeirates und auch der Stadtheimatpfleger Ottmar Engasser sprachen sich unbedingt für den Erhalt dieses markanten Bauwerkes aus. Auch Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle plädierte für den Erhalt. Sie machte zudem drauf aufmerksam, dass das Stadtplanungsamt bei der weiteren Planung unbedingt mit einbezogen werden müsse. Dies war bisher nicht der Fall gewesen. Der Gestaltungsbeirat empfahl der Verwaltung und dem Stadtrat daher einstimmig den Pavillon zu erhalten.

Vanetta-Grafik freistehend 610

Der Gestaltungsbeirat sprach sich auch noch einmal für einen guten Umgang mit den Bauwerken der 60er Jahre aus, deren Qualität oft noch nicht erkannt würde. Im Laufe der Jahre seinen gerade die Gebäude dieser Zeit oft mit Treppen, Geländern und anderem Beiwerk weitergebaut worden, die ihnen ihre eigentliche Qualität nehme. Ingolstadt habe jetzt eine Chance diese Qualität freizulegen und die Freibad-Gastronomie zu einen guten und ganz besonderen Ort zu machen.

Durchweg positive Signale kamen auch aus den Reihen der Politik, der Verwaltung und der Stadtspitze. Man kann also davon ausgehen, daß es in der Sitzung des Stadtentwicklungs-Ausschusses am 25. Juni ein positives Votum für den Erhalt des Pavillons gegeben wird.

Für die Form des Erhaltes und die Art der Nutzung wurden verschiedene Vorschläge überlegt. Eine Öffnung und einfache Nutzung als "Sonnenschirm" sei dabei ebenso denkbar wie Glasschiebefenster oder sogar die Freistellung des Pavillons. Da wird wohl auch das Landesamt für Denkmalpflege noch mitberaten, das derzeit die Denkmaleigenschaften des Pavillons prüft.

Das Architekturbüro Hellwig und Fahrig, das mit der Sanierung des Freibades befasst ist, schlug heute vor, den Pavillon vom Gastonomie-Gebäude zu trennen und dieses weiter nach hinten zu verschieben. Dadurch ließe sich auch die Anlieferungsseite vom Scherbelberg her verbessern. Ein Vorschlag der positiv aufgenommen wurde. Stadtbaurätin Preßlein-Lehle unterstützte diese Idee, weil sich so der Zugang von der Altstat zum Freibad besser gestalten ließe und sich die Möglichkeit biete, die Zugangssituation aufzuwerten.

Das Foto oben ist übrigens eine grafische Animation des Designers Marco Vanetta. Hier wäre der Pavillon von dem Gastronomie-Gebäude getrennt. Sie entstand während der Diskussion um den Pavillon im Forum "Aktion Innenstadt".

UPDATE 18. Juni 2013: INGOLSTADT-today Welche Chancen der Pavillon im Freibad wirklich hat

Der Architekt Jürgen Fahdt und der Künstler Tom Neumaier hatten mit einem Leserbrief im April die Aufmerksamkeit auf den Pavillon gelenkt und machten auch Nutzungsvorschläge

Pavillon Skizze 260 FahdtDie Identität einer Stadt entwickelt sich im kreativen Umgang mit ihren historisch gewachsenen Architekturelementen und nicht mit der konzeptionslos geschwungenen Abrissbirne. Lässt man architektonisch wertvolle Stadtelemente durch mangelnde Pflege verrotten, braucht man sich über hohe Abriss- und Neubaukosten nicht zu wundern.

Es geht auch anders.

Eine kostengünstige Variante für den Schwimmbadpavillon könnte die folgende sein: In das vorhandene Betonskelett werden Sonnen- und Windsegel eingehängt, die bei Bedarf den Baukörper schließen, beschatten oder öffnen können. Ergänzend bedarf es nur noch eines Kubus, der die für den Wirtschaftsbetrieb nötige Technik und die sanitären Anlagen enthält. Der Pavillon schwebt leicht und noch immer modern auf dem Fundament der Festungsgewölbe. Ein heiteres Architekturspiel mit der Geschichte der Stadt entsteht. Freizeitevents auf den ehemaligen Kriegsanlagen. Macht man den Pavillon auch außerhalb der Öffnungszeiten des Bades zugänglich, erhält die Stadt eine luftige Terrassenfläche für Drinks, Snacks, Kleinkunst, sommerliche Lesungen, Theatersketchs, Tanzboden und vieles mehr.

Jürgen Fahdt, Architekt
Thomas Neumaier, Künstler

 

 

Stellungnahme des Architekturforums des Kunstverein Ingolstadt

Wir sind Weltmeister im Mülltrennen und Wiederverwerten von Abfällen. Fleißig recyceln wir Altmetalle, Glas, Papier, Kunststoffe. Bereiten Wasser auf und kompostieren Organisches. Wie aber gehen wir mit unserem erneuerungsbedürftigen Gebäudebestand um? Der Umgang mit dem Gebäudebestand ist längst zu einer wichtigen gesellschaftlichen und architektonischen Aufgabe geworden. In dem nebeneinander von Schrumpfen und Wachsen der Städte geht es um Sanierung, Umnutzung, Revitalisierung, Ergänzung und das Füllen von Lücken in der Stadt. Leider heißt eine vordergründige Antwort auf das Problem allzu schnell: Abbruch und Neubau. Dabei werden meist wirtschaftliche Gründe angeführt. Eine Sanierung lohne sich nicht, zu teuer, unrentabel. Umfangreiche Wirtschaftlichkeitsberechnungen werden angeführt. Hierbei werden jedoch bisweilen wichtige Belange übersehen. Der Gebäudebestand – auch die wenig geschätzten Gebäude und Siedlungen der Nachkriegsmoderne – muss als wichtige energetische, kulturelle, soziale und architektonische Ressource für die Gestaltung unserer Zukunft erkannt und eine grundsätzlich affirmative Haltung gegenüber dem Vorhandenen entwickelt werden.

In jedem Gebäude sind Energien gespeichert. Tatsächliche, physische Energie, die bei der Erbauung verbraucht wurde und die bei den Wirtschaftlichkeitsberechnungen in der Regel außen vor bleiben. Kulturelle Energien. Die Menschen die das Gebäude erdacht, geplant und gebaut haben, sich mit der Bauaufgabe in schwierigen Zeiten auseinandergesetzt haben. Soziale Energien. Gruppen von Menschen, die das Gebäude beschlossen, unterstützt, erhofft, erträumt, realisiert und schließlich genutzt haben. Menschen die mit dem Bau groß geworden, gelebt und vieles erlebt haben.

Das mögen Energien und Belange sein, die sich einer betriebswirtschaftlichen Betrachtungsweise verschließen, aber sie sind ebenso real und im kollektiven Gedächtnis gespeichert. In jeder Stadt. Denn Stadt ist gebaute Kultur, Stein gewordenes kulturelles Gedächtnis einer Gesellschaft. Ob das nun große oder kleine Bauten sind. Bauten über die gestritten wurde, geliebt, missachtet, verachtet, genutzt, benutzt wurden und Lebens- und Möglichkeitsräume boten, die Teil der Stadt geworden sind. Jede Stadt und jede Bürgerschaft braucht diese Artefakte um sich seiner selbst zu vergewissern. Auch Ingolstadt. Man sollte pfleglich und sorgsam mit ihnen umgehen, ob sie nun Nordbahnhof, Körnermagazin, Stadttheater, Hallenbad oder Freibadpavillon heißen. Kein Abbruch sollte tabu sein, aber genau überlegt. Ein Abbruch vernichtet städtische Energien, kulturelle, soziale und ökonomische Werte. Und wenn schon ein Abbruch unvermeidlich sein sollte, was fast nie der Fall ist, dann sollte das Neu bitte in der Lage sein, neue und nachhaltige Werte zu begründen.

Reduce, Reuse, Recycle lautete das Motto des Deutschen Pavillons der 13. Internationalen Architekturausstellung La Biennale di Venezia 2012. Sie thematisierte Architektur als Ressource. Es wäre wünschenswert und notwendig, derartiges auch vor Ort einzufordern.

Für das Architekturforum Ingolstadt
Siegfried Dengler, Architekt BDA, Stadtplaner

 

Vanetta Pavillon Lounge 610


Eine weitere Idee des Designers Marco Vanetta zur Nutzung des Pavillons 

Mehr dazu Pavillon im Freibad | Landesamt für Denkmalpflege wird aktiv

 

 

 

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