Samstag, 27 Juli 2013 14:06

Pavillon im Freibad ist jetzt Denkmal | Architektur 60er Jahre

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UPDATE am 27. Juli 2013

Wie wir soeben erfahren hat das Landesamt für Denkmalpflege für den Pavillon im Freibad die Denkmaleigenschaften positiv festgestellt. Das Bauwerk der späten 60er Jahre wird damit in die Liste der Denkmäler eingetragen. Ein großartige Erfolg der Stadtheimatpflege in Ingolstadt und der Bürgerinnen und Bürger die sich für dieses Bauwerk eingesetzt haben und den bereits beschlossenen Abriß so doch noch verhindern konnten.

Der aktuelle Bericht des Donaukurier dazu hier.

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Beitrag vom 17. Mai 2013:

Das Landesamt für Denkmalpflege LfD wird nun ein offizielles Verfahren durchführen, um die Denkmaleigenschaften des 60er Jahre Pavillons im Freibad zu überprüfen. Dies wurde den Initiatoren, dem Architekten Thomas Hirschbeck und Katharina Wrede-Hirschbeck, heute mündlich mitgeteilt.

Auf einen Pressebericht Mitte April über den geplanten Abriss folgte ein Leserbrief von Architekt Jürgen Fahdt und Künstler Tom Neumaier (Kunstpreisträger 1991 der Stadt Ingolstadt) zum unbedingten Erhalt des Pavillons im Ingolstädter Freibad. Dies war der Impuls zu einer breiten und nachhaltige Diskussion, bei Mitgliedern des Kunstvereins ebenso wie im sozialen Netzwerk facebook, in Foren wie der Aktion Innenstadt, Innenstadtfreunde, Ingolstadt gefällt mir u.a.

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Nicht zuletzt über diese Netzwerke haben Thomas Hirschbeck und Katharina Wrede-Hirschbeck Informationen und Bilder zusammengetragen und sich an das bayerische Landesamt für Denkmalpflege LfD

 

gewandt. Sie baten die zuständige Gebietsreferentin des LfD, Dr. Christine Schneider, zu überprüfen, ob es sich bei dem Pavillon um ein charakteristisches Bauwerk der 60er Jahre handle und dieses somit die Eigenschaften des Denkmalschutzgesetzes erfülle. Heute wurde ihnen mündlich mitgeteilt, dass das LfD aufgrund dieser Initiative eine erste Inaugenscheinnahme vor Ort gemacht habe und nun ein offizielles Prüfverfahren einleiten werde.

Die Architektur der 60er Jahre polarisiert

Die Architektur der 60er Jahre hat es nicht leicht geliebt, geschätzt und somit auch erhalten zu werden. Sachlich, gerne puristisch, manchmal geradezu spartanisch. Sichtbeton, Holz, unverputzte Oberflächen, viel Großzügigkeit, wenig Zierrat. Es soll ein Raum bzw. eine besondere Raumwirkung durch Architektur geschaffen werden. In Ingolstadt ist in dieser Zeit das Stadttheater entstanden, inzwischen jüngstes Baudenkmal Bayerns, oder auch das neue Rathaus.

Das Polarisierende dieser 60er Jahre beschreibt Architekt Thomas Hirschbeck so: Während kleinteilige, verwinkelte Baukörper und manierierte Fassaden unser Bedürfnis nach Geborgenheit erfüllen, löst der klare Bauhausstil bei vielen eher Verunsicherung aus. Er wirft uns auf uns selbst zurück und zwingt uns zu einer eigenen Interpretation, denn gute Architektur gestaltet nicht die Wände sondern die Luft dazwischen.

Der Pavillon im Ingolstädter Freibad ist kein großformatiges Bauwerk, doch weist es typische Charakteristika dieser Zeit auf. Statt einem kastigen Zweckbau für einen Freibad-Kiosk hat Architekt Manfred Törmer (sen.) ein großzügiges polygones Bauwerk entworfen. Das Vieleck ist eine typische Ingolstädter Form, die sich in den örtlichen Festungsbauten findet. Hardt-Waltherr Hämer hatte diese 1964 für das Theater bewusst aufgegriffen und Törmer scheint sich direkt, wenn auch in anderem Maßstab, auf beides zu beziehen. Der Pavillon ist so auf die alten Mauern gesetzt, dass er leicht wirkt und es spielt mit dieser charakteristischen Form der Festungsbauten und auch des Glacis - dem Grüngürtel rund um die Innenstadt, im dem das Freibad steht.

Zur besonderen Qualität des Pavillons gehört auch, dass der Sichtbeton von hoher handwerklicher Qualität ist, eine Holzstruktur aufweist, wie man es eben vom Theater kennt oder auch vom Katharinen-Gymnasium, einem Hämer-Bau von 1971. "Bemerkenswert mit welcher Präzision die Schalung gemacht wurde. Zweidimensional auf Gehrung geschnittene Lamellen, millimetergenau exakt aneinanderpassend, es wurde auf die Holzmaserung geachtet und der, der den Beton dann rüttelte, war ein wahrer Kunsthandwerker, denn es gibt keine Nester, keine Lunker, o.ä. im Sichtbeton" so Katharina Wrede-Hirschbeck zur anspruchsvollen Gestaltung des Sichtbetons.

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Für die Stadt Ingolstadt bedeutet die Einleitung der Überprüfung, dass die geplanten Bau- und Planungstätigkeiten zunächst ruhen müssen. Der Beirat der Freizeitanlagen GmbH, die für die Sanierung des Freibads zuständig ist, hatte zuvor bereits einem Dringlichkeitsantrag stattgegeben, die Planungen doch auch im Planungsausschuss der Stadt zu diskutieren und eine Alternative mit Erhalt des Pavillon Bauwerks zu prüfen.

Nun heißt es die fachliche Stellungnahmen des LfD abzuwarten. In den sozialen Netzwerken und bei den BürgerInnen wird der Freibad-Pavillon in den nächsten Wochen sicher ein Thema bleiben und man wird wegen der gestalterischen Qualität für den Erhalt werben. Auch reine Nostalgie wird zu hören sein – gelungene Gestaltung ist eben spürbar und das was emotional berührt wird bekanntlich am Besten erinnert.    petra kleine

 

Mehr dazu:

Bericht im Donaukurier vom 12. April 2013 zum geplanten Abriss

Ingolstadt-today zur  Beratung in der Freizeitanlagen GmbH

Donaukurier am 15. Mai 2013 "Der Pavillon ist nicht nur praktisch, sondern auch schön."

 

Fotos: Florian Straub - herzlichen Dank dafür!

 

 

 

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